PRP bei Haarausfall - Wie wirkt es?

Wie wirkt PRP gegen Haarausfall? Die erstaunliche Wissenschaft hinter der Eigenbluttherapie

Meta-Beschreibung: Wie wirkt PRP gegen Haarausfall? Erfahren Sie verständlich erklärt, welche wissenschaftlichen Mechanismen hinter der PRP-Therapie stehen und warum sie das Haarwachstum fördern kann – inklusive Quellen.

Haarausfall betrifft Millionen Menschen – Männer wie Frauen. Doch wie wirkt PRP gegen Haarausfall eigentlich? PRP steht für „Platelet-Rich Plasma“, also plättchenreiches Plasma, das aus dem eigenen Blut gewonnen wird. In den letzten Jahren hat sich diese Therapieform zu einer beliebten, minimalinvasiven Behandlungsoption entwickelt. Doch was sagt die Wissenschaft dazu? Und welche biologischen Mechanismen sind tatsächlich relevant für das gewünschte Ergebnis – dichteres, kräftigeres Haar?

In diesem Artikel erklären wir die wissenschaftlichen Grundlagen verständlich und zeigen, wie die beschriebenen Wirkmechanismen mit dem klinischen Effekt zusammenhängen.

Was ist PRP und wie wird es angewendet?

Bei der PRP-Therapie wird dem Patienten Blut entnommen und in einer Zentrifuge aufbereitet. Dabei werden die Blutplättchen (Thrombozyten) konzentriert. Dieses plättchenreiche Plasma enthält hohe Mengen an Wachstumsfaktoren.

Das PRP wird anschließend gezielt in die Kopfhaut injiziert – insbesondere in Areale mit androgenetischer Alopezie (erblich bedingter Haarausfall).

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Die biologischen Wirkmechanismen von PRP

Die Wirkung von PRP basiert nicht auf „Wundermagie“, sondern auf gut untersuchten zellbiologischen Prozessen. Entscheidend sind die enthaltenen Wachstumsfaktoren:

1. Stimulation der Haarfollikel-Stammzellen

PRP enthält unter anderem:

  • Platelet-Derived Growth Factor (PDGF)

  • Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF)

  • Transforming Growth Factor (TGF-β)

  • Epidermal Growth Factor (EGF)

Diese Faktoren aktivieren ruhende Haarfollikel-Stammzellen in der sogenannten „Bulge-Region“ des Haarfollikels. Studien zeigen, dass PRP die Proliferation (Zellvermehrung) in der Dermalpapille fördert – einem zentralen Steuerzentrum für das Haarwachstum.

Relevanz: Wenn Haarfollikel reaktiviert werden, können sie wieder in die Wachstumsphase (Anagenphase) eintreten – genau das Ziel der Therapie.

2. Verlängerung der Anagenphase

Ein wesentlicher Ansatzpunkt ist die Verlängerung der Wachstumsphase des Haares. Bei androgenetischer Alopezie verkürzt sich die Anagenphase zunehmend.

PRP steigert laut mehreren In-vitro-Studien die Expression von β-Catenin und aktiviert den Wnt/β-Catenin-Signalweg – ein entscheidender Signalweg für die Regulation des Haarzyklus.

Relevanz: Eine verlängerte Anagenphase bedeutet, dass Haare länger wachsen und weniger schnell ausfallen.

3. Verbesserung der Durchblutung

VEGF fördert die Neubildung von Blutgefäßen (Angiogenese). Eine bessere Durchblutung der Kopfhaut führt zu einer verbesserten Nährstoff- und Sauerstoffversorgung der Haarfollikel.

Relevanz: Besser versorgte Follikel sind leistungsfähiger und weniger anfällig für Miniaturisierung – ein zentraler Mechanismus beim erblichen Haarausfall.

4. Anti-entzündliche Effekte

Chronische Mikroentzündungen werden zunehmend als Mitursache für Haarausfall diskutiert. PRP besitzt entzündungsmodulierende Eigenschaften und kann entzündliche Prozesse in der Kopfhaut reduzieren.

Relevanz: Weniger Entzündung bedeutet ein stabileres Umfeld für Haarwachstum.

Was sagen klinische Studien?

Mehrere kontrollierte Studien belegen die Wirksamkeit von PRP bei androgenetischer Alopezie:

  • Gentile et al. (2015): Randomisierte, placebokontrollierte Studie zeigte signifikante Zunahme der Haardichte nach 3 PRP-Sitzungen.

  • Singhal et al. (2015): Verbesserte Haardichte und -dicke bei 70 % der behandelten Patienten.

  • Gupta & Carviel (2017): Systematische Übersichtsarbeit bestätigt signifikante Verbesserungen in mehreren Studien.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2019 (Zhang et al.) kommt zu dem Schluss, dass PRP im Vergleich zu Placebo eine statistisch signifikante Steigerung der Haaranzahl pro cm² bewirkt.

Wichtig: Die Effektgröße hängt stark von Protokoll, Konzentration und individueller Ausgangssituation ab.

Für wen ist PRP besonders geeignet?

Die besten Ergebnisse werden erzielt bei:

  • Frühstadien der androgenetischen Alopezie

  • Diffusem Haarausfall

  • Kombinationstherapien (z. B. mit Minoxidil oder Microneedling)

Bei vollständig vernarbten oder zerstörten Follikeln kann PRP keine Wunder bewirken – hier fehlen die biologischen Zielstrukturen.

Grenzen und realistische Erwartungen

PRP ist keine Haartransplantation und erzeugt keine neuen Haarfollikel. Die Therapie wirkt nur auf vorhandene, noch vitale Follikel.

Typische Ergebnisse:

  • Verdickung bestehender Haare

  • Verringerter Haarausfall

  • Moderate Zunahme der Haardichte

Erste Effekte zeigen sich meist nach 3–4 Monaten.

Fazit: Wie wirkt PRP gegen Haarausfall?

Zusammenfassend lässt sich sagen: PRP wirkt gegen Haarausfall, indem es körpereigene Wachstumsfaktoren nutzt, um Haarfollikel zu stimulieren, die Durchblutung zu verbessern und die Wachstumsphase der Haare zu verlängern.

Die wissenschaftlichen Daten zeigen konsistent positive Effekte – besonders bei androgenetischer Alopezie im Frühstadium. Entscheidend ist jedoch eine fachgerechte Durchführung und realistische Erwartungshaltung.

PRP ist keine Zaubertherapie, aber ein biologisch plausibler und zunehmend gut belegter Ansatz zur Förderung des Haarwachstums.

Quellen

  1. Gentile, P. et al. (2015). The Effect of Platelet-Rich Plasma in Hair Regrowth: A Randomized Placebo-Controlled Trial. Stem Cells Translational Medicine.

  2. Singhal, P. et al. (2015). Efficacy of platelet-rich plasma in treatment of androgenic alopecia. Journal of Cutaneous and Aesthetic Surgery.

  3. Gupta, A.K., Carviel, J. (2017). Meta-analysis of platelet-rich plasma for androgenetic alopecia. Journal of Dermatological Treatment.

  4. Zhang, J. et al. (2019). Platelet-rich plasma for androgenetic alopecia: A systematic review and meta-analysis. Dermatologic Surgery.